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Im dänischen Vejen steht eine Skulptur des Künstlers Niels Hansen Jacobsen.

|   Andacht

Er schuf sie Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr Titel lautet "Trold, der vejrer kristenblod", also „Troll, der Christenblut wittert".

 Es ist eine Kopie, das Original stand ursprünglich vor der Jesus-Kirche in Kopenhagen. Die Gemeinde war von dem düsteren Unhold irgendwann so irritiert, dass er an ein Museum gegeben wurde. Vor einigen Jahren bereute sie es und wollte die Plastik gerne zurück, mit dem Ergebnis, dass nun auch dort eine Kopie zu finden ist. Ich muss zugeben: Wenn man vor der Plastik steht und dazu noch den Titel liest, fühlt man sich etwas unwohl. Wir standen als Familie davor und gehörten damit zur Zielgruppe. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Gemeinde sich damit schwertat. Auf der anderen Seite bringt eine provokante Kunst oft zum Nachdenken. Ich dachte: Wie merkt der Troll eigentlich, mit wem er es zu tun hat? Was nimmt er wahr? Die Taufe? Es stimmt, durch die Taufe werde ich ein Kind Gottes. Aber ich kann dem Christsein später im Leben auch wieder den Rücken kehren. Oder reagiert er auf die Kirchenmitgliedschaft? Es ist gut, wenn ich zu einer Gemeinschaft gehöre, die mich trägt. Trotzdem glaube ich nicht, dass der Troll mit seiner Hand in der Gemeindekartei wühlt. Vielleicht wittert er auch das Bemühen, gut und im Frieden mit allen Menschen und der Natur zu leben. Das sind wichtige Grundsätze in der Bibel. Sie werden aber auch von Menschen gelebt, die keine Christen sind. Verlässlicher ist der Glaube an Jesus. Ohne ihn macht es sich der Troll gemütlich. Aber auch hier gibt es immer wieder Streit: Was ist der richtige Glaube? Wie tief muss ich glauben? Welche Grundsätze sind unverzichtbar, welche nicht? Vielleicht hilft es weiter, wenn wir dem Glauben noch die Hoffnung zur Seite stellen. Wenn ich mir den Troll so ansehe, dann grapscht er nach dem, was Zukunft hat und Menschen Halt gibt. Er macht unsere Angst, unseren Hass, unsere Verzweiflung, unseren Unfrieden greifbar. Dagegen stellt sich die Hoffnung, die von Christus kommt. Diese Hoffnung haut der Angst und dem Hass kräftig auf die Flossen. Sie richtet die auf, die vom Leben gebeugt sind. Sie glättet mürrische und wütende Gesichter. Nicht nur für einen selbst, für einen ganzen Ort ist sie Balsam. Sie lebt letztendlich von der Gewissheit, dass Jesus unser Leben in seinen Händen hält. Durch seine tätige Liebe hat er uns dem Tod entrissen. Ganz stark steht dieser Gedanke am Ewigkeitssonntag im Vordergrund, wenn wir noch einmal an die denken, die wir verloren haben. Wir wissen sie in Gottes Hand geborgen. Jesus jagt den Troll aus der Stadt. Oder, wie es der Apostel Paulus sagt: „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.“

Pfarrer Benjamin Hecker

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